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Hypothyreose - Schildrüsenunterfunktion

Die Schilddrüse ist die größte Drüse des Hundes. Die Schilddrüse liegt im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfes und der Luft- und Speiseröhre.

Die Schilddrüse ist eine hormonbildende Drüse. Sie befindet sich unterhalb des Kehlkopfes 

Die Schilddrüsenhormone beeinflussen nahezu alle Stoffwechselvorgänge im Körper. Es werden die beiden Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und  Tetrajodthyronin (T4 oder s-Thyroxin) unterschieden.

Wie aus den Bezeichnungen der Hormone bereits hervorgeht, ist Jod ein wesentlicher Bestandteil dieser Hormone. Das T3 enthält 3 Jodmoleküle und das T4 enthält 4 Jodmoleküle. Jod muss mit der Nahrung aufgenommen werden. Das Jod gelangt aus dem Magen-Darm-Trakt mit dem Blut in die Schilddrüse und wird dort nach mehreren Zwischenschritten, unter anderem der Jodination und der Jodisation, in die Schilddrüsenhormone eingebaut. Bei Bedarf werden die Hormone dann an das Blut abgegeben. Im Blut sind beide Hormone zu über 99% an Transporteiweiße gebunden und nur ein sehr geringer Anteil liegt als freies, also ungebundenes Hormon vor. Man spricht dann von freiem T3 (FT3) und freiem T4 (FT4). Stoffwechselaktiv sind nur die freien Hormone. Die Halbwertszeit für T3 beträgt 20 Stunden, die für T4 rund 8 Tage. Unter der Halbwertszeit ist in diesem Fall die Zeit zu verstehen, nach der sich die ursprünglich vorhandene Menge dieser Hormone auf die Hälfte reduziert hat.

Die Bildung der Schilddrüsenhormone wird durch einen Rückkopplungsmechanismus in übergeordneten Zentren im Gehirn, dem Hypothalamus und der Hypophyse, gesteuert. Bei einem Mangel von Schilddrüsenhormonen im Blut wird im Hypothalamus das Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH) freigesetzt, das wiederum in der Hypophyse die Freisetzung des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) bewirkt, das seinerseits dann direkt die Schilddrüse zur Hormonbildung anregt. Diese Zusammenhänge müssen bei der Diagnostik von Funktionsstörungen der Schilddrüse immer berücksichtigt werden.

Hypothyeose

Unter der Hypothyreose versteht man eine Unterversorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen. Da die Schilddrüse nicht in der Lage ist, den Schilddrüsenhormonbedarf zu decken, spricht man von einer Unterfunktion der Schilddrüse.

Eine Hypothyreose kann vielfältige Ursachen haben. Ist die Schilddrüse direkt von einer Störung betroffen, spricht man von einer primären Hypothyreose. Sind dagegen die übergeordneten Regelzentren, also Hypothalamus oder Hypophyse, betroffen, bezeichnet man dies als sekundäre Hypothyreose. Sehr selten findet man ein vermindertes Ansprechen des Gewebes auf ausreichend vorhandene Schilddrüsenhormone. Man spricht dann auch von einer tertiären Hypothyreose.

Eine Hypothyreose kann bereits angeboren sein, z.B. infolge eines kompletten Fehlens der Schilddrüse oder einer zu kleinen Schilddrüse oder aber einer genetisch bedingten Störung der Jodverwertung liegen. Der Erbgang ist bisher nicht nachgewiesen.

Häufiger wird die Hypothyreose aber im Laufe des Lebens erworben. Meist liegt ein Verlust oder eine Zerstörung von ursprünglich funktionsfähigem Schilddrüsengewebe zugrunde, z.B. nach Entzündungen der Schilddrüse. oder durch  Jodmangel bedingt.

Erkrankungen des Hypothalamus oder der Hypophyse, z.B. Tumore, können durch einen Mangel an Thyreotropin-Releasing-Hormon oder Thyreoidea-stimulierendem Hormon ebenfalls eine Hypothyreose verursachen, wobei die Schilddrüse aber völlig intakt ist.

Diee durch die Hypothyreose hervorgerufenen Symptome unterscheiden sich bei neugeborenen Welpen und bei erwachsenen Hunden.

 

Die Frühzeichen einer angeborenen Hypothyreose sind wenig spezifisch und können häufig nicht richtig gedeutet werden. Frühzeichen sind:

  • verspäteter Geburtstermin
  • geringes Geburtsgewicht
  • Trinkunlust, Erbrechen und Verstopfung
  • verlangsamter Puls
  • schlaffe Muskulatur
  • Bewegungsunlust
  • trockene und teigige Haut
  • ausdruckslose Mimik

Infolge der Hypothyreose ist sowohl die körperliche als auch die geistige Entwicklung verzögert. 

Erwachsene Hunde entwickeln eine Hypothyreose meist schleichend, sodass der Hund und der Halter anfangs keine Beschwerden wahrnehmen. Erst bei einer stärkeren Unterfunktion wird die Erkrankung offensichtlich. Symptome sind

  • Müdigkeit, Antriebsarmut, gesteigertes Schlafbedürfnis
  • Gewichtszunahme
  • Konzentrationsstörungen
  • Kälteempfindlichkeit
  • Verstopfung
  • schlechtes Haarkleid, stumpfes Fell, Alopezie (krankhafter Haarausfall) an beiden Körperseiten mit Tendenz zu Hyperpigmentation (schwarze Haut)
  • Keratose (Verhornung) wobei die hauptverantwortliche Drüsenstörung für das Auftreten von fettiger Seborrhö (Dysgonadismus) beim Hund ist
  • Ausbleiben der Läufigkeit, Unregelmäßige Läufigkeit

Die Diagnose erfolgt beim Hund ausschließlich über eine Blutuntersuchung und Bestimmung der Schilddrüsenwerte

Besteht der Verdacht auf eine Unterfunktion der Schilddrüse, müssen die  Schilddrüsenhormone im Serum bestimmt werden. Ein erniedrigter Wert des freien T4 beweist eine primäre Hypothyreose. Das T3 nimmt erst bei einer weit fortgeschrittenen Hypothyreose ab. Es steht in der Diagnostik daher eher im Hintergrund. Ein normaler Wert des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) schließt eine Hypothyreose (Schilddrüsenüberfunktion) aus. Bei einer Hypothyreose müsste das TSH erhöht sein, wogegen es bei einer Hyperthyreose erniedrigt wäre. Zur Diagnose einer sekundären Hypothyreose müssen sowohl das Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH) als auch das Thyreoidea-stimulierende Hormons (TSH) bestimmt werden.

Das heißt also, dass die unterschiedlichen Werte im Verhältnis zueinander unter Berücksichtigung bzw. Ausschluß evtl. anderer bestehender Erkrankungen gesehen werden müssen. 

Interpretation der Schilddrüsenwerte 

Normwerte des Hundes:
T4: 1,3-3,7 µ/dl,  17-48 nmol/L
T3: 70-250 ng/dl, 1,1 - 3,9 nmol/L
cTSH 0-0,32 ng/ml (0,33 - 0,45 ng/ml = fraglicher Bereich)

Die Beurteilung anhand der Blut-/ Laborresultate wird folgendermaßen vorgenommen:
T4 > 1,5µg/100ml > Hypothyreose unwahrscheinlich
T4 < 0,5 µg/100ml; cTSH > 0,45 ng/ml > Hypothyreose
T4 < 0,7 µg/100ml; cTSH > 0,32 ng/ml > Hypothyreose wahrscheinlich, TRH-Stimulationstest sinnvoll
T4 < 0,7 µg/100ml; cTSH normal > Hypothyreose möglich, TRH-Stimulationstest sinnvoll
T4  0,7 - 1,3 µg/100ml; cTSH normal > TRH-Stimulationstest zur Abklärung ob Hypothyreose oder Thyreoid sick syndrome vorliegt ist wichtig

Es bestehen allerdings Unsicherheiten der Diagnose einer Hypothyreose allein über die Bestimmung der Blutwerte. Z.B. können die erniedrigte T3/T4 Werte ebenso auf das Thyreodid Sick Sydrom / Non Thyreoidal Illness (NTI oder NTIS) zurückzuführen sein.

Die NTI ist keine eigentliche Unterfunktion der Schilddrüse, es liegen vielmehr andere Gründe zugrunde. Dies können ausgelöst sein

- durch andere Krankheiten (Morbus Cushing,. Niereninsuffizienz, Lebererkrankungen)
- durch Medikamentengabe z.B. Glucocorticoide (beeinflussen den Stoffwechsel, den Wasser- und Elektrolythaushalt, das Herz-Kreislaufsystem und das Nervensystem, wirken entzündugshemmend, immunsuppresiv), Phenobarbital (Epilepsiebehandlung, Narkosemittel),  Phenylbutazon (Antirheumatika) - oder durch die sog. Malmutrition (= allg. Senkung des Grundumsatzes)

Darüberhinaus ist der der T4 und/oder fT4 Wert des jungen Hundes höher ist als beim erwachsenen, Hunde bis zu vier Monaten haben einen zwei bis vier mal höheren T4 Wert als erwachsene Hunde; große Hunderassen einen niedrigeren T4 Wert als kleine Hunderassen.

Um eine genaue Diagnostik durchzuführen wird also der Stimulationstest durchgeführt. Korrekt heißt er TRH- Stimulationstest (früher TSH-Stumulationstest, wird i.d.R. nicht mehr ausgeführt, gab aber wohl die besseren Resultate).

Der TRH- Stimulationstest kann die Fähigkeit der Hormonproduktion bzw. Hormonsekretion endokriner Organe (Hypothalamus und Hypophyse, Schilddrüse)  prüfen.

Oder einfacher ausgedrückt: wie reagiert die Schilddrüse auf die Gabe des TRH? Und reagiert sie überhaupt?

Ablauf der heute üblichen Tests:
1. Blutentnahme beim nüchternen Hund > Bestimmung der Basalwerte (Referenzwert) des freien T4 und TSH
2. Injektion TRH stimulierenden Präparates
3. Zweite Blutentnahme nachb 20 Min für cTSH erneut Bestimmung TSH
4. nach 2-3 Stunden dritte Blutentnahme > Bestimmung des freien T4

Die genauere Diagnose wird nun insofern vorgenommen, indem man die Veränderung der Werte freies T4 und TSH untersucht. Bei einer Hypothyreose kann die Schilddrüse trotz der Stimulation durch das injizierte TSH nicht genügend Hormone ausschütten bzw. wird die Schilddrüse nicht genüggend zur Ausschüttung von T3/T4 angeregt. Beim gesunden Tier kommt es zur Ausscheidung des stimulierenden Hormons in der Hypophyse und nachfolgend zur Freisetzung von T4 und T3 in der Schilddrüse.

Beurteilung:
- Gesunder Hund:
Basalwert Normbereich
Stimulationswert > 0,7 µ/dl Differenz zum Basaltwert über Normbereich

- Hypothyreoter Hund
Basalwert < 1,0 µg/dl über Normbereich
Stimulationswert > keine nennenswerte Steigerung

- Thyreoid Sick Syndrome
Basalwert 0,5-1,5 < µg/dl über Normbereich
Stimulationswert > 0,7 µg/dl Differenz zum Basaltwert über Normbereich

Oder anders ausgedrückt:
- bei einem euthyreoten Hund sind T4 und cTSH im Normbereich, beim TSH-Stimulationsterst kann die vermehrte Ausschüttung von cTSH und TRH provoziert werden durch die Gabe des TRH-Stimulans

- nach 2-3 Stunden steigt bei gesunden (euthyreoten) Hund das  T4 um mind. 0,7µg/100ml an
- bei einer Hypothyreose fällt der T4 Basalwert niedrig und der cTSH Basalwert hoch aus

 

Therapie

Die Therapie der Hypothyreose erfolgt durch die Substitution, also den Ersatz, der Schilddrüsenhormone durch künstlich hergestellte Präparate. Man verwendet im allgemeinen L-Thyroxin. Die Tagesdosis muß 2 mal täglich morgens vor der ersten Mahlzeit eingenommen werden, um die täglich gleiche Konzentrationen zu gewährleisten und den Zustand der Euthyreose (=neutraler Schilddrüsenzustand) herbeizuführen. 

Die Substitution erfolgt mit L-Thyroxin in der Dosierung 20 µg/kg/pro Tag während 2 Monate, dann Abstimmung gemäss klinischer Wirksamkeit (und Labortest). Anschließend wird der Krankheitsverlaufs/Besserung: Steigerung der physischen Aktivität festgehalten werden. Bei Hyperaktivität kann man davon ausgehen, dass zu hoch dosiert wurde. Das Nachwachsen des Fells geht langsam vor sich und ist eventuell von einer Erstverschlimmerung begleitet.
• Erneute Bestimmung: T4 vor und 6 Stunden nach Einnahme der Tabletten

Hunde mit einer gut behandelten Hypothyreose haben die selbe Lebenserwartung wie Hunde ohne Hypothyreose. Sie zeigen in ihrer Leistungsfähigkeit und Lebenserwartung keine Unterschiede zu schilddrüsengesunden Hunden.

Die Therapie einer Hypothyreose besteht in einer Substitution mit Thyroxin. Ziel ist, eine Euthyreose zu erreichen. Deshalb ist es besonders wichtig, die Therapie einer subklinischen Hypothyreose in der Trächtigkeit weiterzuführen! Nur die auch in der Trächtigkeit weiterführende Behandlung kann die optimale Entwicklung des Embryos und des Feten garantieren und ist daher  unerlässlich! Die Überprüfung der Schilddrüsenhormone muß in zeitlich engem Schema erfolgen und gegebenenfalls muß die Dosierung angepasst werden.

Quellen: Dissertation "Zum Jodbedarf und zur Jodversorgung der Haus- und Nutztiere und des Menschen", Susan Pia Grimminger, 15.07.2006; www.hen.hundezeitung.de; Deutsche Schilddrüsenliga: www.Schilddrüsenliga.de,

und http://www.gkf-bonn.de/download/zb_Resse16.pdf

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