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Einführung in die Genetik

Verpaarungssysteme

Erbfehler

Glossar

   

Einführung in die Genetik

 

Über Jahrtausende wurden Hunde in erster Linie nach ihrer Gebrauchsfähigkeit ausgewählt und auf der Grundlage der Aufgaben des Hundes bewußt verpaart. Die Selektion von Hunden erfolgte in erster Linie nach Zweckmäßigkeit und nur im Unwesentlichen nach den Aussehen. 

Mit dem Auftreten der modernen Rassezucht gegen Ende des 19. Jahrhunderts änderten sich die Prämissen wobei dem Aussehen der Hunde eine immer größere Bedeutung zugeschrieben und die Gebrauchsfähigkeit einzelner Rassen mehr in den Hintergrund gedrängt wurde. Zuchtziel war und ist ein einheitlich optisches Erscheinungsbild, charakterliche Einheitlichkeit, die "Uniformität" einer Hunderasse.  

Zucht nach ausschließlich optischen Gesichtspunkten unter Vernachlässigung der Gesundheit und Erbgesundheit der Hunde wird für die Zucht und Züchter unweigerlich in einer Sackgasse enden. 

Während noch vor wenigen Jahren fast ausschließlich Symptom-Medizin betrieben und ein an z.B. an Hüftgelenksdysplasie erkrankter Hund eben "behandelt" wurde, d.h. symptomfrei gemacht wurde, wird immer mehr Augenmerk darauf gelegt, den Erb-Erkrankungen auf den Grund zu gehen bzw. sogar über die Zucht im Vorfeld möglichst auszuschließen.

Züchter sollen und müssen sich mit Genetik und Zuchtauswahl beschäftigen. Die Möglichkeiten der Erkenntnisse der Genetik und modernen Medizin ungenutzt zu lassen ist unverantwortlich.

Auch in Hinblick auf die teilweise recht enge Zuchtbasis bestimmter Hunderassen, z.B. wie auch bei unseren Do-Khyi, bzw. auf die immer häufiger publizierten Erberkrankungen ist die Beschäftigung und der Einsatz von genetischen Erkenntnissen obligat.   

Genetik

Genetik ist die Lehre von der Vererbung.

Auf der Vererbbarkeit von Merkmalen, z.B. Aussehen, Leistung, Verhalten beruhen Zuchtmaßnahmen. Aktuell gelangen gesundheitliche Faktoren in der Zucht eine immer größere Bedeutung.

Bei der Ausprägung von Merkmalen können Umwelteinflüsse im Zusammenspiel mit genetischen Anlagen eine nicht unbedeutende Rolle spielen, z.B. ist bei der HD eine genetische Grundlage gegeben, in der Aufzucht des Hundes kann aber diese Disposition positiv wie auch negativ beeinflusst werden.    

 

Das Gen   

Ein Gen ist eine Erbeinheit, die aus einer chemischen Substanz, der DNA = Desoxyribonukleinacid (-säure) besteht.

Die Erbsubstanz (DNA) des Hundes verteilt sich auf 39 autosomale Chromosomen sowie den beiden Sexchromosomen X und Y und ist aus Milliarden von Nukleotidbasenpaaren (die Bausteine der DNA) zusammen gesetzt. Das Hundegenom ist kleiner als das Genom des Menschen und besteht aus zirka 2,4 Milliarden Basenpaaren. In den Geschlechtszellen, dem Ei der Hündin und dem Spermium des Rüden liegen diese Chromosomen in der halben Anzahl, also nicht als Paar ( haploider Chromosomensatz) vor. Da immer zwei Chromosomen gleich sind, hat jeder Hund immer zwei Gene der gleichen Art. Diese an sich gleichen Gene können nun in unterschiedlicher Form vorhanden sein.

Den Teil eines Genpaars, das einen Genort (Genlocus) besetzt, nennt man Allel. Allele eines Genortes können gleich (homozygoter Genotyp) oder ungleich (heterozygoter Genotyp) sei.

 

Verpaarung

Bei der Entstehung der Geschlechtszellen werden die Chromosomenpaarsätze geteilt und es wird aus dem doppelten (diploiden) der einfache ( haploide ) Chromosomensatz. Jedes Spermium hat dann also 39 Chromosomen - eines aus jedem Paar. Genauso hat jede Eizelle 39 Chromosomen. Es ist vollkommen zufällig, wie die Chromosomen verteilt sind, ebenso wie es zufällig ist es, welches von den Spermien zur Befruchtung gelangt. Welche Teile der Erbsubstanz übergeben werden, ist somit reiner Zufall.

Durch die Befruchtung - das Verschmelzen von Eizelle und Spermium - kommt es zur Vereinigung der zwei halben Chromosomenpaarsätze, so daß die daraus entstehende Zelle wieder über einen diploiden, d.h. aus 39 Chromosomenpaaren bestehenden Chromosomensatz besitzt. 

 

Vererbung

Vererbung beruht auf der Weitergabe und Neukombination von Genen. Die Vererbung von Merkmalen kann von einem einzelnen Gen bestimmt werden, was als monogene Vererbung bezeichnet wird  oder auch von mehreren was polygene Vererbung genannt wird. Befindet sich das oder die merkmalsvererbenden Gene auf dem X-Chromosom (Geschlechtschromosom) so spricht man von einem geschlechtsgekoppelten Erbgang, ansonsten von einem autosomalen oder geschlechtsunabhängigen.

In den Zellkernen der Nachkommen befinden sich Chromosomenpaare von denen jeweils ein Chromosom vom Vater stammt und eines von der Mutter. Die oder das für die Vererbung eines bestimmten Merkmales relevanten Gene liegen somit ebenfalls in doppelter Dosis vor, jeweils eines vom Vater und eines von der Mutter. Diese Genpaare werden homologene Gene oder Allele genannt. Sind die Allele eines Genpaares gleich so wird es homozygot oder reinerbig genannt. Sind sie unterschiedlich, bestimmen also unterschiedliche Formen oder Ausprägungen des jeweiligen Merkmales, so nennt man das heterozygot oder gemischterbig. 

In der Praxis ist es interessant, wie sich unterschiedliche Allelkombinationen der Elterntiere auf die Merkmalsbildung der Nachkommenschaft  auswirken. Bei Homozygotie wird das Merkmal entsprechend der  in den Genen festgelegten Informationen ausprägen. So werden z.B. z.B. Hunde mit zwei Langhaargenen lange Haare haben.

Bei Heterozygotie hängt die Ausprägung von Merkmalen von der Beziehung der beiden unterschiedlichen Gene zueinander ab.  In Zuchtexperimenten fand man heraus, dass sich Kurzhaarigkeit gegen Langhaarigkeit durchsetzt. Damit sind Tiere mit einem Kurzhaargen und einem Langhaargen immer kurzhaarig. Das sich durchsetzende wird das dominate Gen, das unterdrückte das reszessive Gen genannt. Man spricht dann hinsichtlich eines bestimmten Merkmales von einem rezessiven bzw. dominanten Erbgang. Es gibt allerdings auch den eher seltenen Fall dass bei Heterozygotie beide Gene zu einer mehr oder minder starken Mischung der Merkmale beitragen was als unvollständig dominanter, intermediärer oder kodominanter Erbgangang bezeichnet wird.

Mendel prägte die Begriffe "dominant" und "rezessiv". "Dominant" ist ein Gen, wenn seine Wirkung die eines rezessiven Gens überwiegt. "Rezessive" Gene werden umgekehrt von dominanten unterdrückt - ihre Merkmale sind nur dann sichtbar, wenn zwei rezessive Gene kombiniert werden. 

Wichtig für die Zucht ist, dass bei Heterozygotie das rezessive Gen zwar nicht wirksam und beim Tier erkennbar (phänotypisch) aber vorhanden ist (genotypisch) und an die Nachkommen weitergegeben werden kann. Handelt es sich dabei z.B. um ein Defektgen so kann der Defekt bei bei den Nachkommen dann auftreten, wenn sie vom anderen Elternteil ebenfalls das gleiche rezessive Defektgen bekommen haben und daher für dieses Gen homozygot sind. 

Wenn also bei Welpen eines Wurfes rezessiv vererbte Defekte, z.B. PRA, auftreten sind stets beide Elternteile Vererber und im Falle von Defektgenen ggf. aus der Zucht zu nehmen, es ist nie nur die Vater- ODER nur die Mutterlinie Defektvererber. 

Bei polygenem Erbgang ist genaue Analyse des Pedigrees wichtig um den Erbgang bestimmter Merkmale nachvollziehen und folglich durch Zucht beeinflussen zu können. Da sich manche Gene gegenseitig beeinflussen und voneinander abhängig sein können verkompliziert sich der Erbgang zusätzlich. Einige Gene können mehr als zwei Arten von Allelen haben. Dies nennt man Multi-Allele oder Allel-Serie. Sie können unterschiedliche Dominanz aufweisen und sich dadurch unterschiedlich auf das Erscheinungsbild (Phänotyp) des Hundes auswirken.

 

Genotyp - Phänotyp

 

Das äußere Erscheinungsbild des Hundes nennt man den Phänotyp.

Der genetische Aufbau ist der Genotyp. 

Ein Züchter sollte sich nie allein mit der Beurteilung des Phänotyps eines Hundes zufrieden geben. Grundlegend wichtig ist die Beurteilung des Genotyp des Hundes. Hier hilft die Beobachtung der Nachkommen eines Hundes weiter. 

 

Erblichkeit verschiedener Merkmale in Prozent, nach Inge Hansen, "Vererbung beim Hund", Verlag Müller Rüschlikon 
Merkmal Erblichkeitsgrad in % Erblichkeit
Fruchtbarkeit 10-15 niedrig
Wurfgröße 10-20 niedrig
Schulterhöhe 40-65 hoch
Körperlänge 40 mittel 
Brusttiefe 50 hoch
Fanglänge 50 hoch
jagdliche Veranlagung 10-30 niedrig bis mittel
Temperament 30-50 mittel bis hoch
Nervosität 50 hoch
Furcht 45-60 hoch
Schussempfindlichkeit   sehr hoch

Quellen: Inge Hansen, "Vererbung beim Hund"; Dr. med. vet. Herbert Meyer, "Grundlagen der Genetik"; www.hen.hundezeitung.de
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