Chacko

Chacko kam am 27.05.2001 in unsere Familie.  

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Chacko Giaccomo Grabowski vom Sendlinger Berg

Den folgenden Artikel verfassten wir für die heute nicht mehr existierende Do Khyi Zeitschrift  Do-Khyi Frontal im Jahr 2001. Chacko war damals ca. 5 Monate bei uns.  

Wer oder was ist der Grund dafür, daß sich mein Mann Hubert meine Liebe mit einem zweiten männlichen Wesen teilen muß?  War’s das Buch über Hunderassen, das für uns irgendwann scheinbar nur noch aus den Seiten über den Do-Khyi bestand? Waren es die tausend Fragen über den Do-Khyi, die eine engagierte Halterin uns geduldig in meterlangen Mails beantwortete? Oder war’s der langweilige Sonntag in der Arbeit, der mich beim Surfen auf der „richtigen“  Homepage landen ließ?

Vor ungefähr 4 Jahren sah ich zum ersten Mal einen Do-Khyi in Köln. Der Rüde war ein wunderschönes Tier, groß und stattlich, und ich war sofort hin und weg. Der Halter war witzigerweise ebenso wie ich zu Besuch in Köln und kam ursprünglich wie ich aus München. Er erzählte mir ein wenig über seinen Hund und ich hoffte, den Do-Khyi bei einem meiner Spaziergänge mit meinen beiden Hündinnen an der Isar nochmal wiederzusehen. Leider war dem nicht so. Ein wenig habe ich mich damals über den Do-Khyi kundig gemacht. 

Es kam mir aber überhaupt nicht in den Sinn, daß jemals ein Vertreter dieser wunderbaren Rasse bei uns sein würde. Schließlich lebte ich schon mit meinen beiden Mädels Lajita und Abeja, Hündinnen aus La Palma, zusammen. Und schon mit zwei Hunden wird man von einigen Leuten betrachtet, als wäre man gerade aus dem Bezirkskrankenhaus entsprungen

Letztes Jahr schenkte ich Hubert ein Buch über Hunderassen und darin stießen wir auch auf eine Rassebeschreibung des Do-Khyi. Sofort war meine Faszination wieder da und auch Hubert fing Feuer. Wir begannen uns intensiver mit dieser Rasse zu beschäftigen und wir versuchten alles über Do-Khyis und Herdenschutzhunde in die Hände zu bekommen. Zum Internet-Buchhandel Amazon hätten wir eine Standleitung legen können und wir lernten perfekt mit den diversen Suchmaschinen umzugehen um möglichst viele Suchergebnisse zu „Do-Khyi“ im Internet zu erhalten.

Hubert und ich träumten oft davon, vielleicht einen Rüden zu den Mädels dazuzunehmen, aber unsere Überlegungen beendeten wir immer mit einem vernünftigen „ein dritter Hund ist schon ein bisserl viel“. In späterer Zukunft sahen wir uns zwar in unserem Haus mit einem Hunderudel und Kindern um uns, aber so bald war das nicht geplant. So vernünftig wir nach außen waren und so wenig wir uns gegenseitig eingestehen wollten, daß wir beide völlig eingenommen von Do-Khyis waren, so sehr festigte sich in unseren Köpfen das Bild eines Do-Khyi Welpen. Als wir beim Surfen auf einer Do Khyi Homepage landeten, fühlten wir uns bei unserer Suche um ein wertvolles Stück weitergekommen. Wir begannen einen intensiven Austausch mit einer Do Khyi Halterin, die uns damals viel erzählt und sie hat auch das Negative nicht weggelassen. Wir fühlten uns ernst genommen mit unseren Fragen und Bedenken. So hatten wir die Möglichkeit, genau zu prüfen, ob das Umfeld, unsere Erfahrungen mit Hunden, unsere Vorstellung von einem Zusammenleben mit Hunden und der Charakter eines Do-Khyis mit uns zusammenpassen würden.

Im Frühjahr hatten wir die Möglichkeit auf Einladung einer Do Khyi Halterin einem Do-Khyi Treffen in Rottenburg teilzunehmen.  Wir waren schrecklich gespannt und nervös und Hubert sollte endlich nach der ganzen Theorie seine ersten Do-Khyis in Natura erleben. Es war ein schöner Spaziergang für uns  trotz des Wetters. Ganz besonders gefiel uns, daß keiner der anwesenden Halter einen Standesdünkel gegenüber unseren Mischlingsmädels hatte (manche Halter anderer Rassen stehen ja sehr oft über den Dingen).

Irgendwann konnten sich Hubert und ich nicht mehr vormachen, daß wir wirklich erst in einigen Jahren einen dritten Hund zu uns nehmen wollten. Außerdem merkten wir wie wichtig es uns war, daß der „neue“ Hund noch einiges von unseren beiden alten Mädels lernen sollte. Lajita und Abeja sind so faszinierende Persönlichkeiten und wir wissen, daß sie viel geben können.

Uns haben schon immer dickköpfige, eigenständige Hunde fasziniert und so sahen wir im Do-Khyi genau den Hund, der zum einen zu unseren dickköpfigen Mädels passen würde und zum anderen in der Familie eine starke Persönlichkeit wäre. Wir wollten einen Hund, der ebenso wie die Mädels ein vollwertiges Familienmitglied sein sollte, gerne skeptisch fremdem gegenüber  reagiert aber der Familie gegenüber stets loyal und aufgeschlossen wäre. Auf keinen Fall sollte es ein Hund sein, der sich anbiedert und unterwürfig nur auf den nächsten Befehl wartet.

Nachdem sich der Prozess des Informierens letztendlich über ca. ein Jahr hingezogen hatte stand für uns fest, daß wir einen Do-Khyi Welpen in unsere Familie aufnehmen wollten.

So hatten wir geplant, uns für kommendes Jahr um einen Welpen zu bemühen und wollten uns dieses Jahr bei verschiedenen Züchtern umsehen  und uns weiter informieren.

Aber manchmal kommt es eben anders als man denkt. 

(Chacko im Sommer 2001)

An einem nicht besonders arbeitsreichen Sonntag in der Arbeit entdeckte ich Anfang Mai Chacko auf der Owtscharka-Homepage. Ich war sofort verliebt in diesen Rüden. Schon auf dem Foto hatte ich das Gefühl, daß er etwas ganz Besonderes ist. Er wurde als ausgesprochen ängstlich beschrieben mit großer Panik vor Männern. Weiter wußten wir nichts von seiner Vergangenheit. Ich mußte Hubert davon erzählen und rief ihn zu Hause. Uns war beiden klar, daß jetzt der Moment der Entscheidung gekommen war. Wir beschlossen, uns im Tierheim  nach Chacko zu erkundigen und fünf Minuten später sprach ich mit seiner Betreuerin Fr. Gerlitzer. Sie erzählte mir viel von Chacko und prüfte uns und unsere Motivation schon am Telefon sehr genau. Daß Chacko Panik vor Männern haben sollte, war natürlich ein Problem. Was würde er von Hubert halten? Würde er Panik bekommen, wie würde er reagieren? Und was  würden die Mädels zu Chacko sagen? Würden sie einen erwachsenen Rüden akzeptieren? Trotz dieser Zweifel vereinbarten wir einen Termin im Tierheim um Chacko kennen zu lernen zu können und er vor allem uns.  

Mit unserer Vermieterin mußten wir noch abklären, ob sie uns die Haltung eines dritten Hundes genehmigen würde. Sie hatte auch immer Hunde und ist eine große Tier-und Menschenfreundin. Ohne Probleme sagte sie zu und wünschte uns noch alles Gute.

Mit Chackos Lieblingsleckerlis -Käse- und diversem Anderen bepackt traten wir am darauffolgenden Wochenende die Fahrt in’s Tierheim Ludwigsburg an.

Als wir Chacko zum ersten Mal sahen, waren wir sehr beeindruckt aber auch wahnsinnig nervös und unsicher, wie er auf uns reagieren würde. Die Betreuerin schlug einen Spaziergang vor und ich durfte Chacko zum ersten Mal an der Leine führen. Seine Schönheit und sein beeindruckender Gang nahmen uns sofort in Beschlag. Wir versuchten uns mit Leckerlis bei Chacko beliebt zu machen. Er nahm die Leckerlis sowohl von mir wie auch von Hubert an. Zwar  war Chacko immer zögerlich und Fluchtbereit, aber sogar einige vorsichtige Streicheleinheiten ließ er sich gefallen. Die Mädels schienen zwar nicht allzu beeindruckt zu sein, aber sie machten Chacko auch nicht an, obwohl sie bei manchen Hunden schon die Zicke raushängen lassen können. Sie ließen ihn sogar in’s Auto schnüffeln, eine Gnade besonders für Abeja, die keinen fremden Hund auch nur annähernd an‘s Auto läßt. Bei der Rückkehr in‘s Tierheim stand unser Entschluß fest, wir würden ihn gerne zu uns nehmen. Wir hatten große Angst, eine Absage zu bekommen, aber die Betreuer entschieden sich für uns. Auschlag gebend dafür war wohl, daß Chacko Hubert gegenüber wenig Angst zeigte und daß Chacko nicht als Einzelhund leben würde.

Ein großes Problem hatten wir allerdings noch: eine Woche nach dem Tierheimbesuch wollten wir mit den Mädels in den Urlaub aufbrechen. Was sollten wir machen? Den Urlaub absagen? Schließlich stand überhaupt nicht zur Debatte, Chacko mitzunehmen. Er sollte die Gelegenheit haben, sich in Ruhe bei uns einzugewöhnen. Die Betreuerin aus dem Tierheim riet uns, den Urlaub anzutreten. Chacko war privat bei einer Betreuerin und deren Bernhardiner+Katzen untergebracht und nicht im Zwinger und er sollte die Kastration erst noch ausheilen. Im Urlaub hatten wir nochmal Gelegenheit uns alles genau zu überlegen und wir fieberten dem Nachhausekommen entgegen. Gerade für Hubert könnte es ja schwierig werden, wenn Chacko Angst zeigt oder sich mehr an mir orientiert. Ihm war klar, was auf ihn zukommen könnte und daß es gerade für ihn schwierig werden könnte. Aber er wollte das gerne auf sich nehmen. Und so sollte sich bald zu unseren beiden prächtigen Mischlingsmädels Abeja „Prinzessin auf der Erbse“ vom Sendlinger Berg und Lajita „Lucky“ de La Palma ein ebenso prächtiger Do-Khyi-Rüde gesellen. 

Am Tag nach unserer Rückkehr wurde Chacko von seiner Betreuerin nach München gebracht und wir holten die beiden an der Autobahn ab. Als er sein neues Zuhause betrat, war er wahnsinnig vorsichtig, prüfte genau sämtliche Fenster und wich nicht von Fr. Gerlitzer`s  Seite.

(Chacko im Urlaub an der Ostsee)

(ein “gefählicher” Do-Khyi beim Gähnen erwischt)

Nach Fr. Gerlitzer’s Abschied machte Chacko uns gleich ein Willkommensgeschenk: er markierte unseren Bettpfosten. Erstmal unsicher, ob ich einen derart traumatisierten Hund schimpfen sollte, entschied ich mich doch für ein deutliches „Nein“ und er zog sich gefrustet auf seine Matratze zurück. Und  diese Matratze verließ er vorerst nur zum Fressen und Gassigehen. Das Markieren praktizierte er noch an den drei aufeinanderfolgenden Tagen, dann aber waren diese (Dominaz?-) Versuche erledigt. 

Unsere  ersten Spaziergänge waren für uns alle nicht gerade einfach. Chacko  reagierte auf jeden Mann gestreßt, sah sich ständig panisch um als ob er verfolgt werden würde, wurde hektisch, wenn ihm ein Jogger oder Radfahrer zu nahe kamen. Vor manchen Personen flüchtete er regelrecht. Es ist schrecklich, die Panik in den Augen eines Tieres sehen zu müssen. Was muß Chacko nur erlebt haben? Wie grausam müssen Menschen sein, wenn sie einem Welpen die Kindheit nehmen und einen erwachsenen Hund nur einsperren? Spielen war ihm unbekannt und die meiste Zeit wäre er auch zu gestreßt dazu gewesen. Obwohl es heiß war, kam er überhaupt nicht auf den Gedanken, Wasser aus der Isar zu trinken. Er hatte schier Panik davor. Langsam schlich Chacko auf den Spaziergängen dahin, ich hatte nicht gedacht, daß sich Hunde derart langsam bewegen können. Für einen Spaziergang, der normalerweise knapp 2 Stunden dauerte brauchten wir nun die anderthalbfache Zeit. Es war keine Seltenheit in der Anfangsphase, daß wir 5 und mehr Stunden unterwegs waren. Aber das war es uns wert.  Chacko hatte nahezu keine Muskulatur und kaum Hornhaut an den Ballen. Wenn er lief, stolperte er oft – einmal lief er sogar gegen einen Begrenzungspfosten, weil er sich nach hinten umsah aber trotzdem weiterrannte. Wir wechselten häufig das Terrain, so daß er Waldboden spüren konnte, über Steine klettern musste, Sand, Wiese und Asphalt kennen lernte (heute fetzt er wie ein Wilder ohne Stolpern durch die Gegend). Komischerweise hatte er mit Gittern nie Probleme (im Gegensatz zu unserer Fundhündin Lajita, die anfangs panisch nicht über Gitter gehen konnte), wahrscheinlich „erinnert“ ihn das an seine Zwingerhaltung.

Man merkt deutlich, daß Chacko  offensichtlich misshandelt und schlecht sozialisiert worden war und daß er äußerst wenig Umwelterfahrung hat. Seine Panik vor Wasser erklären wir damit, daß er früher mit Wasser zur Züchtigung abgespritzt wurde (eine völlig überholte aber leider noch immer praktizierte Methode zum Gefügigmachen). Bei bestimmten Bewegungen erschrickt er und zuckt zusammen. Bei unerwünschten Verhalten scheint er geschlagen worden zu sein. Als ich ihm zum Beispiel Leberwurst auf dem Finger gab, fiel das Stückchen genau in dem Augenblick herunter, als er zufassen wollte und  er erwischte meinen Finger. Sofort zuckte er zusammen, duckte sich bis zum Boden und sah total  verängstigt zu mir hoch. Er war wahrscheinlich völlig erstaunt, daß er nicht bestraft wurde. 

Es ist sicherlich wichtig, Hyrarchien und Privilegien im Zusammenleben mit Hunden festzulegen aber wir sind davon überzeugt, daß man dazu keine Gewalt benötigt, abgesehen davon lehnen wir Gewalt gegenüber Tieren und Menschen prinzipiell ab. Unnötige Härte und Ungerechtigkeit bewirken entweder genau das Gegenteil oder sie brechen die Persönlichkeit. Manchmal vergleiche ich unsere Familie mit einem Wolfsrudel: es gibt Alphatiere, das sind in diesem Fall wir Menschen mit bestimmten Privilegien und es gibt eben die Betatiere. Jeder hat seine spezielle Aufgabe (und Pflichten, d.h. in unserem Fall arbeiten um Hundefutter beizubringen...) für die er besondere Vorraussetzungen mitbringt und erst in der Gesamtheit aller mit ihren speziellen Fähigkeiten kann das Ganze funktionieren. Chacko bringt seine Fähigkeiten als Wächter der Familie mit und erfüllt diese Aufgabe schon recht gut. Zuhause ist er ständig aufmerksam. Bekommen wir Besuch, klärt er erst die Lage ab, grummelt und bellt ordentlich. Wenn er merkt, daß wir die Lage im Griff haben, geht er auf seinen Platz und gibt Ruhe (wenn wir Freunde besuchen benimmt sich Chacko auch vorbildlich).

Auch draußen paßt er gut auf seine Familie auf. Als ein Rüde einmal Lajita zu sehr bedrängt hat, war Chacko sofort zur Stelle und baute sich vor dem Rüden auf. Damit war für den Rüden die Sache geklärt und er verkrümelte sich. 

(„Mir entgeht überhaupt nix“)

(Chacko lernt ein Zwergpony kennen: “Ups, das ist ja genauso groß wie ich)

Wir merken, wie Chacko sich langsam aber kontinuierlich verändert und entwickelt. Die Panik bei Spazieren gehen hat sich schon fast gelegt und weicht einer kindlichen Neugier. Wir merkten schnell, daß sich Chacko intensiv an uns orientiert und so ließen wir ihn recht bald ohne Leine laufen, so daß er ungehindert Hundebekanntschaften schließen und ihm unangenehme Situationen selbstständig umgehen kann.

Auf Rufen kommt er schon zuverlässig, aber eben mit der dem Do-Khyi eigenen Gemächlichkeit. Manchmal ist es schon erstaunlich mit welch einer Ignoranz er uns minutenlang stehen läßt, erst nochmal die Umgebung abcheckt, ein wenig rümschnüffelt und sich dann doch tatsächlich unseres Rufes erinnert und zu uns trottet.

Chacko blüht immer mehr auf. Er fing an zu spielen, knabbert an Stöckchen, wagt sich sogar an’s Wasser heran und trinkt ganz vorsichtig. Wenn er Hunde sieht ist er nicht mehr zu halten, er muß Kontakt aufnehmen und mit vielen spielt er wie ein Wilder. Manchmal schafft er es sogar unsere „Prinzessin auf der Erbse“ Abeja zum spielen zu animieren. Seine besonderen Freunde sind zwei Kuvacs-Rüden. Wenn er ihren Geruch in der Nase hat, läßt er uns stehen und startet durch wie ein Ferrari. Und dann sind die drei fleißig am Schnüffeln, Rumtoben, Raufen, Wichtigmachen...Er versteht sich mit allen Hunden prächtig, egal ob groß oder klein, Rüde oder Hündin. Machoallüren anderer Rüden lassen unseren kleinen Aristokraten völlig kalt. Eine seiner weibliche Favoriten ist die Do-Khyi Hündin Aischa. Bei dieser Hündin vergisst er sogar seine Abneigung gegen nasse Füsse. Als er sie einmal sah, wollte er zu ihr laufen, vergaß aber, daß zwischen ihr und ihm  ein ca. 30cm tiefer Arm der Isar floß. Er fetzte los, spürte plötzlich Wasser an den Pfoten und stand dann wie ein begossener Do-Khyi starr mitten im Wasser. Rüber zu Aischa wären’s noch 1,5 Meter gewesen, trotzdem stapfte er lieber mit hocherhobenen Pfoten  die drei Meter zurück zu uns (nun, wer weiß, vielleicht hätte das Wasser beim Weiterlaufen ja wehgetan?!).

Auch mit den (alten) Mädels versteht sich unser Junior wunderbar und er orientiert sich intensiv an den beiden, was ihm sicherlich dabei behilflich ist, sich besser zurechtzufinden. Er macht den Eindruck eines großen Welpen, der den Großen hinterher fetzt, um nur ja nichts zu verpassen.  Meistens scheint er überhaupt nicht zu wissen, warum die Mädels durchstarten, aber Hauptsache Mitmachen. Wir freuen uns oft darüber, wie die drei durchs Unterholz jagen, die Mädels zielgerichtet einem Eichkätzchengeruch und er eben den Mädels hinterher. Letztens versuchte Chacko sogar, einem Eichkätzchen auf den Baum zu folgen, aber nach eineinhalb Metern war Schluß, die Masseträgheit läßt einen runden Do-Khyi-Hintern eben doch auf dem Boden bleiben. Das Eichkätzchen lachte sich in’s Fäustchen und die Meute fiepste unter dem Baum, in der Hoffnung, das Eichkätzchen könnte ihnen vielleicht doch schlaraffenlandmäßig in die offenen Mäuler hüpfen.

Chacko hat nun die Gelegenheit, einen Teil seiner Kindheit nachzuholen und da er ja auch erst 3 Jahre alt sein soll, parallel dazu auch seine Jugend und Flegeljahre. Es gibt sicherlich nicht viele Leute, die sich darüber freuen, wenn ihr Hund sich traut, Grenzen auszutesten oder auch mal Unsinn zu machen. Für uns bedeutet das, daß sein Selbstbewußtsein wächst und er Erfahrungen macht, die ihn weiterbringen. Selbstverständlich muß er auch Grenzen kennen lernen, Befehle akzeptieren. Seine Intelligenz hilft ihm dabei,  Erlebtes richtig einzuschätzen und für sich aufzunehmen. Und er hat keine Probleme, auch ein „Nein“ zu akzeptieren, nur müssen wir daran arbeiten, daß er sich dann nicht sofort unterwürfig zeigt oder mit Spielaufforderungen  die Situation für sich zu entschärfen versucht.

Wenn die Drei ihre täglichen Knabbereien bekommen, liegen sie einträchtig auf den Hunde-Ess-Teppich  im Arbeitszimmer und knuspern vor sich hin. Am Anfang  war Chacko beim Verspeisen immer recht langsam aber jetzt hat er gelernt, wie man mit den Leckerlis umgeht und er überrundet die Mädels schon bei Weitem an Schnelligkeit. Manchmal beginnt dann ein lustiges „Schweineöhrchen-wechsel-dich“-Spiel, da müssen wir höllisch aufpassen, daß auch jeder seine Ration bekommt. Beim Frühstücken wird unsere Tradition beibehalten, daß die Hunde  ein Stückchen Butter bekommen und da Chacko Käse liebt, gibt’s jetzt eben auch noch ein Stückchen davon. Er hat schnell gelernt, daß dann aber Schluß ist.

Mittlerweile hat sich Chacko auch schon mit einigen weiblichen Gassigeh-Bekanntschaften angefreundet. Er geht gerne zu ihnen und läßt sich auch streicheln. Bei Männern ist er immer noch sehr zurückhaltend bis ängstlich. Obwohl er auch hier schon Freundschaften geschlossen hat. So nimmt er beim Einen schon Leckerlis an, vorsichtig und immer zur Flucht bereit. Und bei einigen anderen wagt er sich auch schon sehr nahe heran bis zum Beschnüffeln. Vor unseren Nachbarn flüchtet er auch schon nicht mehr, zwar scheint er jedesmal zu erschrecken, wenn er jemanden vorm Haus sieht mit einem Gesichtsausdruck, der wohl heißen soll „ Oh je, da muß ich jetzt wirklich vorbei?“. Aber nach einigen Zögern und sich in die Leine stemmen, zwei Schritten zurück und einen nach vorne, geht es weiter. Überhaupt keine Probleme hat Chacko mit Kindern. Einmal trafen wir eine Familie mit Kinder und Hund und Chacko spielte er scheinbar den Bodyguard für den kleinen Jungen, der an der Isar mit Steinen und Stöcken spielte. Chacko beobachtete ihn ganz genau, ließ ihn nicht aus den Augen und näherte sich vorsichtig an. Immer wenn der Kleine sich entfernte um neue Stöcke zu holen, ging ihm Chacko langsam hinterher, schön im Abstand und sehr aufmerksam. Wir freuen uns auf jeden Fall schon darauf, wenn es mit uns und Nachwuchs soweit sein wird.

Neben Aufzugfahren, Autowaschstraße, Essengehen, Biergarten, Hundeschule mit Spielstunde und Hundeseminar bei Günther Bloch (mit in einen kleinen Raum gepferchten 50 Haltern+30Hunden-auch hier vorbildliches Verhalten unseres Juniors) ... hat Chacko auch schon Tierarzt-Besuche hinter sich. Zum Ersten einen Kennlernbesuch, eine Behandlung wegen einer Augenentzündung und einen Solidaritäts-Begleitbesuch, da sich die Mädels einen Husten eingefangen hatten. Chacko hat eine so robuste Konstitution, daß er vom Husten verschont blieb. Aber vielleicht lag das aber auch an der Medizin, die er zusammen mit den Mädel zu sich nahm: die Mädels Leberwurst mit Pillen, Chacko Leberwurst ohne (das ist der Beweis, daß Placebos eben doch helfen?!). 

Und noch etwas muteten wir Chacko zu: im Anfang November fuhren wir Fünf in den Urlaub an die Ostsee. Und auch hier benahm sich Chacko wieder hervorragend. Er hatte einen riesigen Spaß dabei, über den Strand und durch die Dünen zu fetzen, sich im Sand zu panieren und sich den Wind durchs Fell pfeifen zu lassen. Bei seiner ersten Begegnung mit einem Wattwurm war er derart erschrocken, daß er es nicht bleiben lassen konnte, wie wild den halben Strand umzugraben. Auch hat er wie die Mädels Gefallen an der Hasensuche gefunden, aber die durchtrainierten Ostsee-Feldhasen waren immer schneller. Es ist immer wieder witzig zu sehen, wie die Hunde oberwichtig in einem Gebüsch herumschnüffeln und ein Hasen zwei Meter weiter eine lange Nase zeigt und abdüst. Hier im Urlaub bekam Chacko auch seinen Spitznamen „Grabowski“. Sicherlich werden sich einige an den kleinen Maulwurf aus der Sendung mit der Maus erinnern. Nicht nur, daß sich die Haarfarbe und die „Frisur“ der beiden ähnelt, auch im Benehmen zeigen sie Gemeinsamkeiten. Chacko hatte es sich zwischen Sofa und Stuhl gemütlich gemacht und schlief. Plötzlich (keiner weiß warum) richtete er sich gemächlich auf, drehte einmal den Kopf nach links, dann nach rechts und schon war er wieder zwischen den Möbelstücken verschwunden. Genau wie der Maulwurf Grabowski, der aus seinem Erdhügelchen auftaucht. Auch sind die beiden sehr neugierig und erkunden die Welt, benehmen sich aber manchmal etwas linkisch und ungeschickt. 

(„Huch, da bläst mir ja der Ostseewind ganz dolle durchs Fellchen. Aber wie Frauchen immer sagt: Erst ein gelüfteter Do-Khyi ist ein guter Do-Khyi“)

Selbstverständlich gibt es auch Dinge, die uns nahe an die Grenze zur Verzweiflung bringen. Da ist zum einen seine Faulheit. Die Mädels, Hubert und ich sind zwar ausgesprochene Langschläfer, aber Chacko können wir alle nicht annähernd das Wasser reichen. Morgens ist er überhaupt nicht in die Gänge zu bekommen. Schubst man ihn im Schlafzimmer an, geht er tatsächlich bis in’s Wohnzimmer, um sich da wieder hinzulegen. Nach ausgiebigen Streicheln und Knuddeln schafft er es bis in’s Arbeitszimmer u.s.w. Eine Bekannte, die ebenfalls zwei Do-Khyis hat, sagte, daß es „Tier-bzw. Do-Khyi-Quälerei“ ist, diese Hunde vor 11:00 Uhr zu wecken. Wir können das nur bestätigen! Und auch andere Do-Khyi-Halter berichteten uns ähnliches. 

Zum anderen scheint Chacko prinzipiell eine Abneigung gegen das Aufbrechen zum Gassigehen zu haben. Das beginnt damit, einen 40kg-schweren Do-Khyi-Kopf in die Höhe zu wuchten (wie schafft er es nur, sein gesamtes Gewicht in dieses eine Körperteil zu packen?) um das Halsband überzuziehen, fünfmal den Do-Khyi vom einen Zimmer in das nächste zu schubsen, 50 mal zu rufen, die Mädels zu beruhigen, die schon genervt an der Tür warten. Zwischenzeitlich macht Chacko selbstständig eine Stippvisite im Flur und sieht nach, ob wir schon fertig sind. Reagieren wir aber zu langsam, kuschelt er sich wieder auf die Matratzen.  Es endet damit, daß wir Chacko anleinen und er uns gnädigerweise zum Auto folgt. 

Nach dem Spaziergang ist er ebenso wenig leicht wieder in‘s Auto zum Nachhause-Fahren zu bekommen. Aber auch das ist wohl typisch Do-Khyi. Vorsorglich haben wir uns für den Winter die wärmsten Schuhe und Anoraks gekauft, so daß wir eine Dauererkältung beim Warten auf Chacko vermeiden können.

Nicht zu vergessen ist, daß Chacko immer wieder unentschieden ist, bei welcher Tür er aus dem Auto aussteigen will. Öffnen wir die Seitentür, bekommt er seinen Hintern nicht in die Höhe, bei der anderen Seitentür will’s auch nicht  so recht klappen, bei der Hecktür verläßt er endlich das Auto. Oder eben die ganze Angelegenheit in anderer Reihenfolge. Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß dieser Hund bei diesen Aktionen ein Lächeln um die Mundwinkel spielt.

Erwähnenswert ist auch seine Vorliebe für Eau de Toilette. Aber selbstverständlich nicht Boss oder Calvin Klein sondern „Eau de toter Fisch“ oder „Kuhfladen“. Wäre ja alles nicht so tragisch, wenn Chacko nur leichter zum Baden zu bewegen wäre. Sich sträubende 40 kg Do-Khyi zu handhaben ist ganz schön anstrengend (steht er erstmal in der Wanne, sieht er uns so leidend an, daß wir uns gerne selber bei Tierschutz der Tierquälerei bezichtigen würden). Wir arbeiten intensiv an einer positiven Konditioniererung: Badewanne=Leckerli.  

Seit  fünf Monaten lebt Chacko nun bei uns.

Er entwickelt sich prächtig, hat ordentlich Muskulatur aufgebaut, ist  total lieb und schmusig, und sieht mit seinem wunderbar glänzenden Winterfell einfach umwerfend aus.

Nach wie vor sind wir sehr dankbar und stolz, daß dieser wunderbare Rüde mit seiner besonderen Persönlichkeit ein Mitglied unserer Familie ist. All das Schöne und Positive, das wir  bisher erleben und verfolgen konnten, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß Chacko ein großer, kräftiger Rüde ist mit viel Power, einem beeindruckenden Knurren und Bellen, beachtlichen Zähnen. Er ist ein typischer Vertreter seiner Rasse, wie es uns auch immer wieder andere Do-Khyi Halter bestätigen und er ist ein Herdenschutzhund mit seinen typischen Verhaltensmustern. Besonders prägend ist für Chacko seine Vergangenheit, die aus Misshandlungen, Vernachlässigung und schlechter Sozialisation bestand. Es ist uns klar, daß in ihm Dinge stecken können, die uns vielleicht erschrecken werden. Dinge, die sich vielleicht erst in einiger Zeit zeigen werden oder die in bestimmten Situationen zum tragen kommen. 

Mittlerweile haben wir Einiges aus seiner Vorgeschichte erfahren und sind geschockt und wahnsinnig erbost über das, was man ihm angetan hat, und das, was andere Hunde erleben müssen. Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, daß wir mit dem Zusammenleben mit Hunden eine große Verantwortung übernehmen. Ebenso wie die Halter sind die Züchter in die Pflicht zu nehmen. Wie kann man es vor sich und seinem Gewissen verantworten, Hunde nur zu „produzieren“ zum Geld verdienen und dann übriggebliebene Hunde aus „Überhängen der Produktion“ als Mischlinge zu verhökern. Wie kann es angehen, daß kein Wert auf Sozialisation gelegt, Daß die Welpen schon beim Züchter traumatisiert werden, daß die neuen Halter der Welpen nicht genau geprüft werden? Wie kann man nur ein Tier quälen?!!! 

Wie Mir wir übel bei dem Gedanken an das, was unser Chacko schon über sich ergehen lassen mußte. Ghandi hat einmal gesagt, daß man eine Zivilisation danach beurteilen kann, wie sie ihre Tiere behandelt. Diese Aussage läßt sich uneingeschränkt auch auf den einzelnen Menschen übertragen. 

Zu bedenken ist für jeden Hundehalter oder potentiellen Halter, daß auch eine noch so genaue Information vor der Aufnahme eines Hundes sicherlich nicht alle Eventualitäten abdeckt. Hunde haben ihre speziellen Fähigkeiten und Bedürfnisse und handeln nach den ihnen eigenen tierischen Verhaltensweisen.  Und dann ist selbstverständlich jeder Hund eine eigenständige Persönlichkeit. Wir müssen uns immer darüber im Klaren darüber sein, daß wir niemals einen Hund hundertprozentig einschätzen oder verstehen werden. Aber auch genau das macht die Faszination im Zusammenleben mit Hunden aus. Wir müssen ihnen vieles beibringen, damit wir und andere Menschen mit ihnen ohne Schwierigkeiten zusammenleben können, aber ebenso können wir unheimlich viel von ihnen lernen. Wir finden es sehr wichtig, daß wir diesen Lernprozeß auch in dieser Richtung zulassen.

Hat eine Hund eine derart grausame Vorgeschichte wie Chacko, gestaltet sich das noch um einiges komplizierter. Auch wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß Hubert und ich in einigen Auseinandersetzungen genau abklären mußten, wie wir mit Chackos Eigenheiten umgehen wollen. Eine derartige Aufgabe kann auch manchmal belastend für die Familie/Beziehung sein (wenn man 20 Minuten benötigt, um den Hund aus dem Auto zu bekommen, kann das je nach Tagesverfassung schon gewaltig an den Nerven zehren). Aber es kann einander auch näher bringen. Jeder, der beschließt einen Hund bei sich aufzunehmen, sollte sich vorher möglichst genau überlegen, was auf ihn zukommen kann. Oder zumindest so flexibel sein, sich auf Situationen einzustellen ohne sofort in Krisenstimmung zu geraten.

Es ist schon erstaunlich, daß ein Hund mit einer Vergangenheit wie Chacko so dermaßen lieb, umgänglich, freundlich und neugierig sein kann. Wir sind sehr froh, daß er nun bei uns ist. Er ist eine ständige Freude und Bereicherung für uns. Wir sind sehr gespannt, welche Überraschungen Chacko noch für uns bereithält. Wir wissen, daß in ihm ein unglaubliches Potential steckt und unsere Aufgabe ist es nun, das zu wecken

Bedanken möchten wir uns abschließend bei denen bedanken, die die Zeit und Energie aufbrachten, uns ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit Do-Khyi mitzuteilen und geduldig unser Informationsbedürfnis gestillt hat.

Besonderer Dank gilt Fr. Schimpf, die maßgeblich an der Befreiung Chackos beteiligt war, die viel Zeit und Geld investiert hat, um Chacko ein neues Leben zu ermöglichen. Und die den Aussagen, Chacko wäre agressiv, keinen Glauben geschenkt hat, sondern sich ein eigenes Bild machte. Auch den Menschen, die sich immer wieder für Tiere einsetzen, und es im speziellen für Chacko getan haben, ein herzliches Danke. 

All denen, die sich immer wieder auf Kosten von Tieren bereichern, die ihre persönlichen Defizite mit Brutalität kompensieren müssen, die sich mit Tieren profilieren, die Tiere als Mittel zum Zweck sehen und deren Bedürfnisse nicht beachten... gilt unsere uneingeschränkte Ablehnung.

Schöne Grüße an alle Do-Khyis und Hunde sonstiger Rassen und Mischungen und deren Menschen von

Abeja+Lajita+Chacko+Berit+Hubert aus München

München im Oktober 2001

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Chacko erzählt  (1)

Hallo!

Mein Name ist Chacko. Wann ich geboren wurde weiß niemand so ganz genau, man nimmt an, es muß 1998 gewesen sein, ich selbst kann mich nicht erinnern. Am 27. Mai 2001 begann gewissermaßen mein zweites Leben. An diesem Tag wurde ich von meiner Tierheimbetreuerin  nach München zu meiner neuen Familie gebracht.

In meiner Vergangenheit habe ich nicht viel Gutes erlebt. Nach meiner Geburt wurde ich mit meinen Geschwistern ausschließlich in der Zwingeranlage der Züchterin gehalten, obwohl ich mich doch auch gerne bei den Menschen im Haus aufgehalten hätte. Aber da durften unsere Mutter und ich nicht hin. Der Mann der Züchterin ist immer sehr grob mit uns umgegangen, da habe ich immer große Angst bekommen, wenn ich nur seine Stimme oder seine Schritte gehört habe. Jedes mal hatte ich das Gefühl, ein großer böser Riese steht vor mir und diese Angst, die ich da im Kindesalter aufgebaut habe, hat sich bei mir im Kopf festgesetzt.

Von meiner Züchterin wurde ich als knuddeliger Welpe an ein Paar verkauft, die sich unbedingt einen seltenen, besonderen, beeindruckenden Hund einbildeten. Mit meiner Rasse, den Haltungsbedingungen und den Bedürfnissen unserer Rasse hatten die sich auf keinen Fall intensiver beschäftigt. Bald ist diesen Leuten die „Arbeit“ mit mir zuviel geworden, sie haben mich dann entweder am Balkon festgebunden  oder drinnen an der Heizung. Zu Fressen gab’s ab und zu mal etwas, wenn die eben grade mal Lust darauf hatten, mich zu versorgen. Als ich ca. 1 ½  Jahre alt war, hat mich der Tierschutzverein von dort weggeholt und in eine Tierpension gebracht. Eigentlich dachte ich, da würde es besser werden für mich, es sah aber eher so aus, als ob ich vom Regen in die Traufe geraten war. Die Leute der Tierpension haben mich wieder nur im  Zwinger eingesperrt. Ab und zu durfte ich mal intensiver mit den toll riechenden Mädels spielen und beglückte einige der Hündinnen. Dann aber war ich wieder allein in meinem  Zwinger. Als die Besitzerin die Tierpension aufgeben wollte, setzte sie eine Anzeige in ein Wochenblatt, in der ich und die anderen Hunde angeboten wurden. Entweder jemand interessierte sich für uns oder wir sollten eingeschläfert werden. Tolle Alternative. Es ist so wahnsinnig viel Schlimmes bisher passiert, da war das eigentlich auch nichts Besonderes mehr. Ich versuche, viele von den Ereignissen aus meiner Vergangenheit zu vergessen und zu verdrängen. Wie Lajita schon gesagt hat, manchmal ist es einfach besser zu vergessen. Und für Herrchen und Frauchen ist es besser, wenn sie Einiges nicht wissen.

Zum Glück stieß Fr. Schimpf auf die  Anzeige der Tierpension und holte mich mit einer Freundin von dort weg. Da ich ja wirklich große Angst vor Männern hatte, entschlossen sich die beiden, mich in das Tierheim Ludwigsburg zu bringen, da sie größere Probleme mit ihren Ehemännern und mir befürchteten.  Zu der Zeit gab es in der Zeitschrift "Do-Khyi-Frontal" einen Bericht über Do-Khiy in Not, in dem unter anderem auch ich erwähnt werde. Den Artikel auch über andere Do-Khyi, die es sogar noch schlimmer als ich erwischt hatten, könnt Ihr dort lesen.

Als ich im Tierheim Ludwigsburg angekommen war, fiel mir erst mal ein riesiger Stein vom Herzen. Die Leute da waren total nett zu mir. Die Betreuerin Fr. Gerlitzer hat mich mit nach Hause genommen zu ihren Hunden und Katzen, so daß ich auf keinen Fall wieder in den Zwinger mußte. Da hat es mir zum erstenmal so richtig gut gefallen. Am Anfang habe ich sehr viel gefressen und 9 kg zugenommen. Mein total verfilztes Fell hat Fr. Gerlitzer in Ordnung gebracht. Jahrelang hatte sich niemand um mich gekümmert. Als ich in der Narkose zur Kastration war, hat sie den ganzen Filz noch aus mir rausgeholt. Nach dieser Operation kann ich keine gut riechenden Hunde-Mädels mehr beglücken. Aber das ist eigentlich auch gut so. Ich hab‘ das früher schon immer eigenartig gefunden: raus aus dem Zwinger, rauf auf die Frau und wieder rein in den Zwinger. Jetzt habe ich meine Ruhe.

Ich habe im Tierheim sofort mit allen anderen Hunden gespielt und mich gut mit allen vertragen. Das hat mir einen riesen Spaß gemacht. Endlich konnte ich mich mal richtig bewegen, rumfetzten, spielen und raufen. Klar, ich war sehr vorsichtig. Habe ja früher fast gar nichts gelernt. Und vor den Männern hatte ich eine unmäßige Angst. Die Leute vom Tierheim haben dann mein Bild in’s Internet gesetzt und viele Leute wollten mich haben. Bin halt was Besonderes. Meine ursprüngliche Heimat ist der Tibet und in meiner angestammten Heimat sind Hunde meiner Rasse für den Schutz der Herden und der Familien zuständig.  Ob sich diese Interessenten aber wirklich mit meiner Rasse und vor allem mit meinem spezifischen Problem, der Panik vor Männern, und meiner Vergangenheit auseinandergesetzt haben, bezweifle ich doch sehr. Sicherlich gab es auch hier wieder genügend Menschen, die vordergründig den nur den besonderen Do-Khyi sahen und nicht den traumatisierten, unsicheren und weltunerfahrenen Hund, der ich war.  Außerdem waren nach den Aussagen des Tierheimpersonals diverse Anrufe  von Do-Khyi Züchtern darunter die einen solchen Prachtburschen wie mich gerne "weiter verwendet" hätten. Als sie Hörten, ich sei nur kastriert abzugeben, haben sie allesamt das Interesse verloren - zum Glück für mich. 

Eines Tages sind mein zukünftiges Herrchen und Frauchen mit ihren Mädels Lajita und Abeja vorbeigekommen. Die wollten mich unbedingt kennen lernen. Ich habe die Vier auch recht nett gefunden.  Hubert hat mir tolle Käse-Leckerlis gegeben (meine Lieblingsleckerlis) und ganz ruhig mit mir geredet. Und ich habe mir gedacht, der ist in Ordnung und nicht so große Angst gezeigt. Beim anschließenden Spaziergang haben die beiden viel mit Fr. Gerlitzer geredet und sie hat die beiden ausgetestet, ob sie neue Menschen für mich sein könnten.

Und so nahm meine Odyssee endlich ein Ende und ich wurde ein echter Münchner Do-Khyi.

Mit Herrchen und Frauchen mache ich auch immer ganz tolle Ausflüge und Urlaube. Besonders gefallen mir die Treffen mit den anderen Do-Khyi Freunden. Das sind nette Leute. „Obwohl“ ich keine Ahnentafel habe, haben die mich lieb gewonnen. Und meine roten Mädels finden die auch total nett.    

Ich habe auch schon ganz viele Sachen gelernt und nicht mehr so viel Angst wie am Anfang. Trotzdem mag ich viele Männer einfach nicht, die Erinnerungen sitzen zu tief. Ich verkrümel mich dann immer und mache einen großen Bogen um diese Männer. Was ich besonders toll finde ist, daß ich immer überall dabei sein darf. Ich will nämlich nie wieder eingesperrt werden. Klar muß ich auch mal mit den Mädels alleine bleiben, wenn Herrchen und Frauchen Hundefutter verdienen gehen. Aber das ist nie lange. Und dann kann ich mich immer freuen, wenn die Beiden zurückkommen. Manchmal ärgere ich Herrchen und Frauchen ein wenig, ich muß ja schließlich ausprobieren, was ich mir alles erlauben kann. Aber Herrchen und Frauchen sind immer geduldig mit mir. Ich hatte halt nie die Gelegenheit, die wichtigen Dinge für’s Leben zu lernen. Da muß ich noch verdammt viel nachholen. Aber das macht ja auch Spaß, zu lernen. Und die Mädels machen mir so viele Dinge vor und so vieles was mir Angst macht ist für die beiden selbstverständlich, da habe ich die Gelegenheit, vieles abzuschauen. Ich passe auch schon ganz toll auf meine neue Familie auf. Denen darf niemand was antun. Wenn die Mädels fiepsen, bin ich sofort da. Und wenn komische Leute bei Herrchen und Frauchen sind, schaue ich mir die genau an. Manchmal zeige ich den Leuten dann auch, was ich von ihnen halte: ich belle dann mit meiner beeindruckenden Stimme. Wenn Herrchen und Frauchen dann allerdings sagen, es ist genug, höre ich natürlich darauf. Ich will doch zeigen, wie toll ich dazulerne.

Herrchen und Frauchen sagen immer, daß sie mich ganz doll lieb haben, was für ein toller Kerl ich doch sei, und wie lieb und intelligent und schön und....  Und wie toll sie es mit mir erwischt hätten. Das stimmt schon (ein wenig Eigenlob darf doch sein?!)  -aber –ich habe es eben auch toll erwischt.

Euer Chacko , Herbst 2001

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Chacko erzählt (2)

Liebe Do-Khyi und -Freunde,

Guten Tag zusammen. Sicherlich werden sich noch einige Leser an mich und an meine Geschichte erinnern, die mein Frauchen im Do-Khyi Frontal erzählt hat. Nachdem ich nun schon eineinhalb Jahre bei meiner Familie bin, möchte ich mich hiermit mal zu Wort melden und ein wenig über uns erzählen.

Es hat sich viel getan in dieser Zeit, ich habe unheimlich viel gelernt und kennen gelernt und mich prächtig eingelebt. Schon lange stolpere ich nicht mehr beim Laufen, ich trinke aus Bächen und habe keine Angst mehr vor Wasser und im Biergarten kann ich es auch ganz gut unter den vielen Menschen aushalten, wenn ich die Gelegenheit habe, mir alles unter dem Tisch heraus anzusehen und wenn dann ein Stückchen Käse "zufällig" herunterfällt, kann ich die vielen Menschen um mich herum noch viel besser ertragen und auch ignorieren. Ich habe mich sehr verändert und weiterentwickelt, und diese Entwicklung ist nur zum Positiven, sagen Herrchen und Frauchen.

Eine große Veränderung für uns alle hat sich dadurch ergeben, daß wir umgezogen sind. Die wochenlange Packerei in München war, mir anfangs schon sehr suspekt. Mit der Zeit gewöhnte ich mich aber daran und es stand völlig außer Frage, daß ich mit meinen Mädels Abeja und Lajita beschloß, beim Packen mitzuhelfen. Wir lagen mit Vorliebe mitten zwischen den Umzugskartons, und paßten auf, daß Herrchen und Frauchen auf jeden Fall alles einpacken würden. Die waren ja teilweise so konfus, daß es nur selbstverständlich war, daß wir die ganze Sache überwachten. Klar wurde das Einpacken für die Beiden damit auch ein klitze klein wenig umständlicher unter unserer Kontrolle, aber Sicher ist Sicher und unsere Leckerlis durften doch bei dem ganzen Chaos auf keinen Fall verloren gehen! Und zu guterletzt wäre es doch einfach fatal gewesen, wenn unsere Menschen uns drei Wuffels über den ganzen Berg an Kartons im Umzugschaos vergessen hätten. Da dösten (ups- natürlich wollte ich sagen "halfen") wir doch lieber mitten im Geschehen vor uns hin. 

Ich war sehr gespannt, wohin es denn nun gehen würde und als ich dann mein Haus mit eigenem Garten sah, habe ich mich natürlich riesig gefreut. Habe fleißig markiert und bin meinen neuen Pflichten als Wächter auch sofort am Umzugstag nachgekommen, indem ich alle Umzugshelfer gleich mal ordentlich verbellt  habe.  Leider hat sich keiner so recht beeindrucken lassen, aber ich übe fleißig weiter.

Mein liebster Platz ist neben der Terrasse unter den Bäumen, da habe ich einen wunderbaren Blick über fast den gesamten Garten und vor allem auf die Straße.  Wenn jemand vorbeigeht, der mir suspekt ist, ein Hund mit Herrchen Gassi geht oder jemand Fremder sich in unserer Straße rumtreibt... dann starte ich ferrarimäßig durch in Richtung Zaun und lasse meine Stimme erbeben. Bin gespannt, wann der erste Skateboardfahrer von seinem Board fällt! Dank des Zaunes, kann ich sogar Männer anbellen, vor denen ich normalerweise großen Respekt hätte und die ich meiden würde und sie so richtig in Do-Khyi Manier bellenderweise erschrecken was meine Stimme hergiebt. Wenn meine Menschen zu mir kommen, um nachzusehen, welch "unbändige Gefahr" ich denn melde, freue ich mich wie ein Schnitzel und meine Rute spielt Propeller. Ich mache dann ganz brav "Sitz" und wir schauen uns den Grund meines Meldens gemeinsam an. Das gefällt mir außerordentlich gut, wenn sich Herrchen und Frauchen für meine überaus wichtige Arbeit interessieren. Selbstverständlich wache ich auch über die Nachbargrundstücke und unsere Nachbarn bestätigen, daß es ja schließlich meine Aufgabe wäre, aufzupassen. Die Aufpasserei ist sehr anspruchsvoll und anstrengend obwohl ich schon viel gelassener geworden bin. Meistens habe ich gar keine Lust mehr aufzuspringen und mich in Positur zu bringen und zusätzlich erschrecken die meisten schon gar nicht mehr, wenn sie an unserem Garten vorbeigehen- da wird die Sache mit dem Bellen auf die Dauer auch langweilig. Nur bei besonderen Gelegenheiten, da starte ich nach wie vor durch.  

Eine dieser besonderen Gelegenheiten ist der Nachbarshund "Lucky". Aber nicht so wie ihr denkt. Es geht mir nicht darum, Lucky zu erschrecken oder zu zeigen, wer der stärkere und schönere Rüde im Dorf ist (da gibt' s ja sowieso keine Diskussionen- oder?!). Ich finde den Lucky so dermaßen klasse, daß ich unbedingt zu ihm will um ausgiebig mit ihm zu spielen. Tja, und wenn nun der Zaun dazwischen ist, muß ich eben meine Sprungkünste unter Beweis stellen. Herrchen und Frauchen finden das überhaupt nicht toll, aber sie meinen, das wird sich mit der Zeit ebenso legen wie das (etwas zu) intensive Aufpassen am Anfang (Frauchens Befürchtungen, ich würde zum Dauerkläffer habe ich ordentlich Lügen gestraft). Ich hoffe jedenfalls nicht, daß sie ihre Drohung, den Zaun zu erhöhen, wahr machen.  

Außer Lucky gibt es viele andere Hunde im Dorf. Die meisten sind auch total in Ordnung  und prima Spielgefährten. Nur zwei Hündinnen sind so dermaßen schräg drauf, da macht man besser einen großen Bogen drum. Normalerweise freue mich ja über jeden Hund und laufe auf ihn zu. Als ich  Scheila zum erstenmal sah, bin ich natürlich wie gewohnt auch zu ihr hingelaufen um sie zu begrüßen. Von ihrem Bellen habe  ich mich erst mal nicht beeindrucken lassen, wer bin ich denn, daß ein stolzer Do-Khyi Mann wie ich da Fersengeld gibt. Aber dann ist die völlig ohne Vorwarnung auf mich losgegangen. Ihr könnt Euch überhaupt nicht vorstellen, wie erschrocken ich war. Da ist man freundlich und bekommt eine übergebraten! Nachdem die Scheila abgezogen war, mußte ich mich erst mal winselnd und fiepsend hinlegen und verschnaufen. Frauchen hat einen riesen Schreck bekommen und mich von vorne bis hinten untersucht, ob ich nicht doch irgendwo eine Wunde hätte. So schlimm war's zum Glück nicht, aber ich hatte echt einen Schock! Frauchen hat mich dann den gesamten weiteren Spaziergang damit aufgezogen, was ich denn für ein Sensibelchen wäre. Soll die sich doch mit so einer zickigen Hündin rumzoffen! Zum Glück trafen wir ich dann allerdings meine beiden Lieblings-Schäferhund-Mädels und ich hatte nur noch den Gedanken an Spielen im Kopf und dieses unangenehme Erlebnis war schnell vergessen. Anschließend sind wir dann noch meine Haflinger-Freunde besuchen gegangen. Wenn wir uns der Weide nähern, kommen sie schon immer angelaufen und manche begrüßen ihren Kumpel Chacko mit Nasenstübern.  

Ein ganz besonders schlimmes Erlebnis möchte ich Euch auch nicht vorenthalten.

Im Juli verstarb eines meiner Mädchen, die 16-jährige Lajita. Keiner von uns wollte es wahrhaben, da Lajita immer die agilste, klügste und witzigste von uns drei Wuffels war. Sie war ihr ganzes langes (nein - ihr viel zu kurzes!) Leben nie krank gewesen. Obwohl wir wußten, daß Lajita eine Herzinsuffizienz hatte, hatte ihr das nie Probleme bereitet und sie konnte diese Erkrankung wunderbar kompensieren. Wie die immer herumfetzte! Nun hat sie innerhalb von nur zwei Wochen ihr Herzleiden eingeholt. Die schwüle Hitzeperiode und die Infektion mit Durchfall und Erbrechen, die wir Drei uns im Frühjahr eingefangen hatten, haben ihr wohl so zugesetzt, daß ihr kleiner Hundekörper das alles nicht mehr verarbeiten konnte. Selbstverständlich haben wir und der Hunde-Doc  alles versucht um ihr zu helfen und zu Beginn schien es auch große Momente der Besserung geben. Da sie nicht mehr gut laufen konnte, begleitete uns Lajita in einem Kinderwagen auf den Spaziergängen. In den Pausen konnte sie so immer ein wenig selbstständig herumgehen, schnüffeln und Hundekontakte pflegen. Sie fand das ganz cool, wenn sie aus dem Wagen heraus andere Hunde anbellen konnte und ihr Lebenswille schien ungebrochen. Abeja und ich suchten Lajitas Nähe und ich versuchte manchmal mit ihr zu kuscheln, so wie wir es zu Anfang gemacht hatten, als ich zu meiner Familie kam.

Wir merkten aber, wie Lajitas Lebenskraft nachließ. Herrchen und Frauchen waren die ganze Zeit traurig, obwohl sie sagten, daß sie es nicht zeigen dürften sondern stattdessen Lajita ein positives Gefühl vermitteln wollten. Aber die Gewißheit, daß Lajita sterben würde, rückte immer näher. Am 19.Juli wurde sie von ihrer Krankheit erlöst. Und obwohl Abeja und ich wußten, daß es das Beste für Lajita war, wollte ich es nicht wahrhaben, daß sie nun nicht mehr bei mir war. Noch einen Tag hatten wir ihren Körper bei uns, um Abschied nehmen zu können und obwohl ich wußte, daß sie bis zur Bestattung im Keller lag, lief ich unruhig durch's gesamte Haus und suchte sie. Lajita hatte mich von Anfang an in ihr großes Hundeherz geschlossen - Abeja machte es mir da schon um einiges schwerer. Sie war die beste Lehrerin, die ich mir nach den Jahren des Eingesperrt seins wünschen konnte. Sie brachte mir das Mäusejagen, Graben, das Knochenverbuddeln und vieles mehr bei und sie war immer zu Unsinn aufgelegt. Vor allem aber lehrte mich Lajita viel von Ihrer Ruhe und Gelassenheit.  Frauchen sagt oft, wenn sie Abeja und mich ansieht, dann sieht sie auch immer ein Stückchen von Lajita. Mein Lieblingsplatz im Garten ist übrigens Lajitas "Vermächtnis" an uns. Als wir zum erstenmal unseren Garten betraten, ging Lajita zielstrebig unter die Bäume neben der Terrasse und fing so wie sie es immer tat, zu graben an. Als ihr die Grube bequem genug erschien, legte sie sich hinein und das war dann ihr Lieblingsplatz -und vor allem war es der Beste Platz im Garten! Wenn ich unter unserem Baum liege, denke ich an sie und sie wird immer in unserem Herzen sein.

Nun aber wieder zu den weniger traurigen Dingen. Viel hat sich für mich getan in den letzten eineinhalb Jahren. Zum erstenmal in meinem Leben bin ich ein richtiges Familienmitglied, mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten. Meinen Pflichten als Wächter komme ich ja auch in vollen Ausmaß nach, wie ich Euch schon erzählt habe. Und meine Rechte kommen auch nicht zu kurz. Obwohl mein Do-Khyi Stolz es natürlich verbietet, daß ich der totale Schmuser werde, fordere ich mittlerweile selbstredend meine Schmuseeinheiten damit ein, daß ich wie eine Klette hinter Frauchen herlaufe, Treppe rauf, Treppe runter, in den Garten und wieder zurück, in die Küche... Meinem unwiderstehlichen Blick mit den leicht aufgestellten Puschelöhrchen kann sie dann natürlich nicht wiederstehen und knuddelt mich was das Zeug hält. Herrchen meint, ich wäre total in Frauchen verliebt, da sehen Frauchen und ich uns an und dann werden wir beide immer ein wenig verlegen.

Meinen Dickkopf darf ich auch immer wieder austesten. Herrchen und Frauchen geraten zwar nach wie vor an den Rand des Verzweifelns, wenn ich auf der Suche nach Mäusen jedes Grashälmchen anschnuppern muß. Um dann anschließend mit dem halben Oberkörper grabend im Feld zu verschwinden und für die nächste halbe Stunde meine Do-Khyi Ohren zu verschließen. Aber mittlerweile haben auch die beiden viel gelernt und werden gelassener. Nach einen Spaziergang mit einem Do-Khyi sollte man eben möglichst keine Termine legen!

Ich denke manchmal, so schlimm kann das mit unserer Dickköpfigkeit auch nicht sein, wenn man sich überlegt, daß Herrchen und Frauchen zu den beiden Dickschädeln Abeja und Lajita ja unbedingt noch einen dickköpfigen Hund wollten und sich deshalb mich aussuchten. Und nachdem unser Triumvirat nun ohne Lajita nicht mehr vollständig ist, soll ich kommendes Frühjahr Papa werden, d.h. genauer Adoptivpapa, da ich selber ja nicht mehr produktiv tätig werden kann. Es soll natürlich wieder ein Dickkopf werden, ein Do-Khyi Baby. Bin gespannt, ob die Abeja auch dann noch "Baby" genannt wird, wenn sie Adoptivmama spielen muß. Aber ich denke, für Herrchen und Frauchen werden wir immer der "Junior" und die "Baby" bleiben, auch wenn uns der  Welpe über den Kopf wachsen wird. Bin wirklich gespannt, was mit dem Kiddie auf uns zukommen wird.

Vielleicht melde ich mich wieder wenn der Nachwuchs eingezogen ist. (Hoffe, es wird nicht allzu nervig mit dem Kleinen!)

Ich wünsche allen Do-Khyi  Männern und Frauen, allen anderen Hunden jedweder Rasse, Farbe und Abstammung, und deren Herrchen und Frauchen alles Gute. 

Schöne Grüße von Eurem Chacko Giacchomo Grabowski (jetzt nicht mehr vom Sendlinger-Berg sondern) vom Schwabhausener Dachsenberg (Herbst 2002)

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